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Fristlose Kündigung: Gründe, Fristen und rechtliche Anforderungen 2026

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Fristlose Kündigung 2026: Kündigungsgründe, Fristen und gesetzliche Vorgaben kompakt erklärt

Eine fristlose Kündigung zählt zu den gravierendsten Eingriffen im Arbeitsrecht. Sie beendet das Arbeitsverhältnis unmittelbar – ohne Beachtung der üblichen Kündigungsfrist und oft mit beträchtlichen wirtschaftlichen sowie beruflichen Konsequenzen für den Arbeitnehmer. Für Arbeitgeber ist sie rechtlich ausschließlich unter strengen Voraussetzungen statthaft und gilt als letztes Mittel.

Unsere im Arbeitsrecht versierten Rechtsanwälte stehen Ihnen umfassend bei sämtlichen Fragestellungen zur außerordentlichen Kündigung zur Seite. Wir untersuchen, ob tatsächlich ein „wichtiger Grund“ gemäß § 626 BGB besteht, ob die gesetzliche Zwei-Wochen-Frist gewahrt wurde und ob die formellen Vorgaben – namentlich Schriftform, Anhörung und Interessenabwägung – eingehalten sind.

Haben Sie eine fristlose Kündigung erhalten, ist schnelles Handeln geboten: Innerhalb von drei Wochen nach Zugang ist eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht zu erheben. Versäumen Sie diese Frist, gilt die Kündigung als rechtswirksam – auch wenn sie juristisch anfechtbar gewesen wäre.

Auch Arbeitgeber unterstützen wir bei der rechtssicheren Vorbereitung und Umsetzung außerordentlicher Kündigungen, um Fehler zu vermeiden, die im Verfahren zur Unwirksamkeit der Kündigung führen würden.

Fristlose Kündigung im Arbeitsrecht: Rechtliche Grundlagen und Abgrenzung

Die fristlose Kündigung – juristisch präzise als außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund benannt – findet ihre gesetzliche Grundlage in § 626 BGB. Sie führt zur unmittelbaren Beendigung des Arbeitsverhältnisses, ohne dass dabei eine Kündigungsfrist zu beachten wäre.

Zu unterscheiden ist sie von zwei weiteren Beendigungsformen:

  • der ordentlichen Kündigung, die unter Wahrung der gesetzlichen, vertraglichen oder tariflichen Kündigungsfrist ausgesprochen wird
  • dem Aufhebungsvertrag, der im gegenseitigen Einvernehmen zwischen den Vertragsparteien zustande kommt

Die fristlose Kündigung stellt das eingriffsintensivste Instrument des Arbeitsrechts dar und wird von der Rechtsprechung als Ultima Ratio eingestuft. Dies bedeutet: Sie kommt nur dann in Betracht, wenn sämtliche milderen Maßnahmen – beispielsweise Abmahnung, Versetzung oder ordentliche Kündigung – zur Konfliktbeilegung nicht geeignet sind.

Üblicherweise lässt sich eine fristlose Kündigung auch hilfsweise als ordentliche Kündigung aussprechen. Dies verschafft dem Arbeitgeber den Vorteil, dass das Arbeitsverhältnis zumindest mit Ablauf der regulären Kündigungsfrist endet, sollte die fristlose Kündigung gerichtlich keinen Bestand haben.

Ein Rechtsanwalt prüft für Sie, ob eine fristlose Kündigung den strengen rechtlichen Anforderungen genügt – oder ob sie anfechtbar ist.

Wichtiger Grund gemäß § 626 BGB: Voraussetzungen der außerordentlichen Kündigung

Für die Wirksamkeit einer fristlosen Kündigung ist das Vorliegen eines wichtigen Grundes gemäß § 626 Abs. 1 BGB erforderlich. Die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts hat hierzu eine zweistufige Prüfung entwickelt.

Stufe 1:Eignung des Kündigungsgrundes
Es muss zunächst ein Sachverhalt gegeben sein, der grundsätzlich dazu geeignet ist, eine außerordentliche Kündigung zu tragen. Hier erfolgt eine abstrakte Beurteilung der Frage, ob das Verhalten seiner Art nach so gravierend ist, dass eine sofortige Beendigung des Arbeitsverhältnisses überhaupt denkbar erscheint.

Stufe 2: Einzelfallbezogene Interessenabwägung
Im zweiten Schritt ist konkret zu untersuchen, ob der kündigenden Partei das Festhalten am Arbeitsverhältnis auch nur bis zum Ende der regulären Kündigungsfrist unzumutbar ist. In diese Abwägung fließen alle relevanten Einzelfallumstände ein:

  • Beschäftigungsdauer und bisheriger Pflichtenerfüllung
  • Intensität und Wiederholung der Vertragsverletzung
  • Verschuldensmaß
  • Risiko erneuter Pflichtverstöße
  • finanzielle und soziale Auswirkungen für die betroffene Person
  • Lebensalter, Unterhaltsverpflichtungen, Schwerbehinderung

Eine fristlose Kündigung ist nur dann rechtmäßig, wenn beide Prüfungsstufen übereinstimmend zu ihren Gunsten ausfallen – also sowohl ein gravierendes Fehlverhalten vorliegt als auch die Interessenabwägung zum Nachteil des Arbeitnehmers ausgeht.

Wichtig: Im Falle verhaltensbedingter Kündigungsgründe ist regelmäßig eine vorangehende Abmahnung notwendig. Auf sie kann nur verzichtet werden, wenn die Pflichtverletzung derart schwerwiegend ist, dass eine Besserung des Verhaltens selbst nach Abmahnung realistischerweise nicht zu erwarten wäre (beispielsweise bei Straftaten zum Nachteil des Arbeitgebers).

Häufige Gründe für eine fristlose Kündigung: Was in der Rechtsprechung anerkannt wird

Die Frage, ob ein bestimmtes Verhalten „als solches“ eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen vermag, wurde durch die arbeitsgerichtliche Rechtsprechung im Laufe der Jahrzehnte umfassend konkretisiert. Zu den in der Praxis häufig auftretenden Fallkonstellationen zählen:

  • Straftaten zum Nachteil des Arbeitgebers: Diebstahl, Unterschlagung, Untreue, Spesenmanipulation oder Manipulation der Arbeitszeit – selbst bei geringfügigen Beträgen, sofern das Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigt wird
  • Beharrliche Verweigerung der Arbeitsleistung: wiederholte Ablehnung vertraglich geschuldeter Tätigkeiten trotz vorangegangener einschlägiger Abmahnung
  • Schwerwiegende Beleidigungen: Beschimpfungen oder persönliche Herabsetzungen gegenüber Vorgesetzten, Kollegen oder Geschäftspartnern
  • Körperliche Übergriffe und Drohungen im betrieblichen Umfeld
  • Sexuelle Belästigung im Rahmen der Arbeitstätigkeit
  • Eigenmächtiger Urlaubsantritt oder unentschuldigtes Fehlen über einen längeren Zeitraum
  • Vortäuschung einer Arbeitsunfähigkeit
  • Weitergabe von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen
  • Erhebliche Verstöße gegen Wettbewerbsverbote während des laufenden Arbeitsverhältnisses
  • Schwerwiegende Beleidigungen oder öffentliche Arbeitgeberkritik in sozialen Medien

Ausschlaggebend bleibt stets die Bewertung des Einzelfalls. Selbst grundsätzlich anerkannte Kündigungsgründe münden nicht zwangsläufig in eine rechtswirksame fristlose Kündigung – die Interessenabwägung kann im konkreten Fall zugunsten des Arbeitnehmers ausfallen, beispielsweise bei langjähriger beanstandungsfreier Betriebszugehörigkeit oder geringfügigem Gewicht des Vorfalls.

Andererseits können auch untypische Sachverhalte eine fristlose Kündigung rechtfertigen, sofern sie das Vertrauensverhältnis irreparabel zerstören. Eine allgemeingültige Beurteilung ist daher ausgeschlossen – die sorgfältige rechtliche Einzelfallprüfung bleibt unverzichtbar.

Lassen Sie Ihre Kündigung jetzt rechtlich bewerten: Wir überprüfen, ob der angeführte Grund den rechtsprechungsgemäßen Anforderungen entspricht.

Zwei-Wochen-Frist gemäß § 626 Abs. 2 BGB: Strenge zeitliche Begrenzung

Eine wesentliche, in der Praxis häufig missachtete Voraussetzung der außerordentlichen Kündigung stellt die Zwei-Wochen-Frist des § 626 Abs. 2 BGB dar. Demnach ist die Kündigung innerhalb von zwei Wochen auszusprechen, sobald der Kündigungsberechtigte von den kündigungsrelevanten Tatsachen Kenntnis erlangt hat.

Dabei sind folgende Grundsätze von Bedeutung:

  • Fristbeginn: Die Frist läuft erst ab dem Zeitpunkt, zu dem der Kündigungsberechtigte vollständige und gesicherte Kenntnis vom Kündigungssachverhalt erlangt hat – nicht bereits bei ersten Anhaltspunkten oder Vermutungen
  • Angemessene Sachverhaltsaufklärung: Dem Arbeitgeber steht es zu, den Sachverhalt vorab zu ermitteln, beispielsweise durch Anhörung des betroffenen Arbeitnehmers, Befragung von Zeugen oder betriebsinterne Untersuchungen. Diese Aufklärungsmaßnahmen hemmen den Fristlauf, sofern sie ohne schuldhaftes Verzögern durchgeführt werden
  • Kenntnis des Kündigungsberechtigten: Entscheidend ist die Kenntnis derjenigen Person, die zur Aussprache der Kündigung berechtigt ist (beispielsweise Geschäftsführer, Personalleiter), nicht die Kenntnis eines beliebigen Beschäftigten
  • Rechtsfolge bei Fristversäumnis: Wird die Zwei-Wochen-Frist überschritten, ist die fristlose Kündigung unwirksam – selbst dann, wenn das zugrunde liegende Fehlverhalten objektiv gravierend war

Die Fristprüfung erweist sich in der Praxis häufig als entscheidungserheblich. Insbesondere wenn zwischen dem Pflichtenverstoß und der Kündigungserklärung ein längerer Zeitraum verstrichen ist, empfiehlt sich eine sorgfältige Überprüfung, wann der Arbeitgeber tatsächlich die erforderliche Kenntnis erlangt hat.

Bei Dauertatbeständen – wie etwa andauernder Arbeitsverweigerung – setzt die Frist mit jeder erneuten Pflichtverletzung von neuem ein, sodass die Zwei-Wochen-Frist den Arbeitgeber in diesen Fällen weniger einschränkt.

Ein Rechtsanwalt prüft präzise, ob die Zwei-Wochen-Frist eingehalten wurde – und deckt Fristversäumnisse auf, die zur Unwirksamkeit der Kündigung führen können.

Formale Voraussetzungen: Schriftform, Abmahnung und Betriebsratsanhörung

Zusätzlich zum wichtigen Grund und zur Zwei-Wochen-Frist muss eine außerordentliche Kündigung sämtliche formalen Vorgaben erfüllen. Bereits formelle Verstöße können die Unwirksamkeit nach sich ziehen.

Schriftformerfordernis (§ 623 BGB):
Die Kündigungserklärung bedarf zwingend der Schriftform – mit persönlicher Unterschrift der kündigungsberechtigten Person. Eine per E-Mail, Fax, WhatsApp, SMS oder mündlich ausgesprochene Kündigung ist unwirksam. Auch digital eingescannte Unterschriften genügen nicht.

Abmahnung als Regelvoraussetzung:
Bei verhaltensbedingten Kündigungen muss grundsätzlich eine vorherige einschlägige Abmahnung erfolgen. Auf sie kann nur verzichtet werden, wenn:

  • die Pflichtverletzung derart gravierend ist, dass dem Arbeitnehmer bewusst sein musste, dass der Arbeitgeber ein solches Verhalten nicht duldet (z. B. Straftaten)
  • eine Verhaltensänderung selbst nach Abmahnung offensichtlich nicht zu erwarten wäre

Anhörung des Betriebsrats (§ 102 BetrVG):
Besteht im Betrieb ein Betriebsrat, ist dieser vor Ausspruch der Kündigung anzuhören. Fehlt eine ordnungsgemäße Anhörung, ist die Kündigung unwirksam. Der Arbeitgeber hat dem Betriebsrat die Kündigungsgründe vollständig darzulegen – nachträglich vorgebrachte Gründe sind in der Regel unbeachtlich.

Besonderer Kündigungsschutz:
Für bestimmte Personengruppen bestehen zusätzliche Voraussetzungen, etwa die behördliche Zustimmung des Integrationsamts bei Schwerbehinderten (§ 168 SGB IX) oder der zuständigen Behörde bei Schwangeren und Personen in Elternzeit (§ 17 MuSchG, § 18 BEEG).

Begründungspflicht auf Verlangen (§ 626 Abs. 2 S. 3 BGB):
Auf Verlangen des Arbeitnehmers ist der Kündigungsgrund unverzüglich schriftlich mitzuteilen. Eine verspätete oder fehlerhafte Mitteilung führt zwar nicht automatisch zur Unwirksamkeit, kann jedoch Schadensersatzansprüche begründen.

Kündigungsschutzklage: Nutzen Sie die Drei-Wochen-Frist konsequent

Wurde Ihnen eine fristlose Kündigung zugestellt, kommt es auf zügiges Vorgehen an. Gemäß § 4 KSchG haben Sie lediglich drei Wochen nach Erhalt der Kündigung Zeit, um beim Arbeitsgericht eine Kündigungsschutzklage zu erheben. Versäumen Sie diese Frist, wird die Kündigung nach § 7 KSchG als von Beginn an rechtswirksam behandelt – auch dann, wenn sie inhaltlich rechtswidrig gewesen wäre.

Die Erhebung einer Klage ist selbst in folgenden Fällen zulässig:

  • das Kündigungsschutzgesetz findet (noch) keine Anwendung (Wartezeit < 6 Monate oder Kleinbetrieb bis 10 Arbeitnehmer)
  • der Arbeitnehmer verfolgt vorrangig das Ziel einer Abfindungszahlung
  • die Kündigung wurde hilfsweise zugleich als ordentliche Kündigung ausgesprochen

Was mit einer Kündigungsschutzklage erreicht werden kann:

  • Feststellung der Unwirksamkeit der fristlosen Kündigung
  • Fortdauer des Arbeitsverhältnisses und gegebenenfalls Weiterbeschäftigung
  • Nachzahlung des Arbeitsentgelts für den Zeitraum nach Kündigungsausspruch (Annahmeverzugslohn)
  • häufig: Vereinbarung einer Abfindung im Wege eines gerichtlichen Vergleichs

Die Mehrzahl aller Kündigungsschutzverfahren wird in der Praxis durch einen Vergleich abgeschlossen: Das Arbeitsverhältnis endet im gegenseitigen Einvernehmen, der Arbeitnehmer erhält eine Abfindung, üblicherweise in Höhe von 0,5 bis 1,0 Bruttomonatsgehältern je Beschäftigungsjahr – abhängig von den Prozessrisiken und Erfolgsaussichten.

Achtung beim Arbeitslosengeld: Nach einer fristlosen Kündigung kann die Agentur für Arbeit eine Sperrzeit verhängen. Aus diesem Grund ist eine gerichtliche Auseinandersetzung ratsam – erfolgt eine Umwandlung in eine ordentliche Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag, kann die Sperrzeit in vielen Fällen abgewendet werden.

Besonderer Kündigungsschutz: In welchen Fällen ist eine fristlose Kündigung nahezu ausgeschlossen?

Für bestimmte Personengruppen gelten besondere Schutzvorschriften, die eine fristlose Kündigung erheblich erschweren oder an strenge zusätzliche Bedingungen binden. Wird eine Kündigung ohne die erforderliche Genehmigung ausgesprochen, ist sie rechtsunwirksam.

  • Schwangere und Mütter bis 4 Monate nach der Geburt (§ 17 MuSchG): Die Kündigung bedarf der Zustimmung der zuständigen Landesbehörde
  • Arbeitnehmer in Elternzeit (§ 18 BEEG): Eine Kündigung ist nur mit behördlicher Genehmigung zulässig
  • Schwerbehinderte und Gleichgestellte (§ 168 SGB IX): Die Kündigung erfordert die vorherige Zustimmung des Integrationsamts
  • Betriebsratsmitglieder, Jugend- und Auszubildendenvertreter (§ 15 KSchG): Eine ordentliche Kündigung ist ausgeschlossen; eine außerordentliche Kündigung ist nur mit Zustimmung des Betriebsrats oder richterlicher Ersetzung möglich
  • Datenschutzbeauftragte (§ 38 BDSG): Eine Kündigung ist ausschließlich aus wichtigem Grund möglich
  • Auszubildende (§ 22 BBiG): Nach Ablauf der Probezeit ist eine Kündigung nur aus wichtigem Grund zulässig – dabei gelten besonders strenge Maßstäbe, da das Ausbildungsverhältnis primär der Ausbildung dient
  • Pflegezeit/Familienpflegezeit: Es gilt ein Kündigungsschutz gemäß § 5 PflegeZG beziehungsweise § 2 FPfZG mit behördlicher Zustimmungspflicht

Selbst bei besonderem Kündigungsschutz bleibt eine fristlose Kündigung im Grundsatz möglich – allerdings muss die behördliche oder gerichtliche Zustimmung vor Ausspruch der Kündigung eingeholt werden, und die Anforderungen an den wichtigen Grund fallen in der Praxis erheblich strenger aus.

Gehören Sie zu einer geschützten Personengruppe und haben eine fristlose Kündigung erhalten, sollten Sie unverzüglich rechtliche Beratung in Anspruch nehmen: Oftmals erweist sich die Kündigung bereits aus formalen Gründen als unwirksam.

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Lassen Sie jetzt Ihren Kündigungsschutz überprüfen: Ein Rechtsanwalt klärt, welche Schutzvorschriften in Ihrem Fall greifen und wie Sie Ihre Rechte durchsetzen können.

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Häufige Fragen (FAQ)

Eine fristlose Kündigung – juristisch außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund – beendet das Arbeitsverhältnis unverzüglich, ohne dass eine Kündigungsfrist zu beachten wäre. Sie ist in § 626 BGB normiert und setzt das Vorliegen eines so gewichtigen Grundes voraus, dass die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses selbst für die Dauer der ordentlichen Kündigungsfrist unzumutbar wäre. Die ordentliche Kündigung hingegen beendet das Arbeitsverhältnis unter Wahrung der vertraglich, tariflich oder gesetzlich geltenden Kündigungsfristen und verlangt keinen wichtigen Grund, sondern lediglich einen Kündigungsgrund im Sinne des Kündigungsschutzgesetzes (personen-, verhaltens- oder betriebsbedingt).

 

Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn Tatsachen vorliegen, die unter Abwägung aller Umstände und der Interessen beider Seiten die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist unzumutbar erscheinen lassen. Die Prüfung erfolgt in zwei Stufen: Zunächst muss der Sachverhalt an sich geeignet sein, eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen. Anschließend ist im Einzelfall eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen, in die Dauer des Arbeitsverhältnisses, das bisherige Verhalten, der Verschuldensgrad, die Wiederholungsgefahr und die sozialen Umstände einfließen.

Zur Rechtsprechung zählen unter anderem die Fallgruppen Diebstahl, Unterschlagung, Spesen- und Arbeitszeitbetrug, ferner beharrliche Arbeitsverweigerung, grobe Beleidigungen, Tätlichkeiten, sexuelle Belästigung, eigenmächtiger Urlaubsantritt, Vortäuschen einer Arbeitsunfähigkeit sowie der Verrat von Geschäftsgeheimnissen. Auch massive Arbeitgeberkritik in sozialen Netzwerken kann eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Maßgeblich bleibt jedoch stets die Prüfung im Einzelfall – selbst anerkannte Gründe führen nicht automatisch zur Wirksamkeit der Kündigung, wenn die Interessenabwägung zugunsten des Arbeitnehmers ausfällt.

Bei verhaltensbedingten Pflichtverletzungen ist in der Regel zuvor eine einschlägige Abmahnung nötig, damit die Kündigung ihre warnende und ordnende Funktion erfüllt. Auf eine Abmahnung kann nur dann verzichtet werden, wenn die Pflichtverletzung derart schwerwiegend ist, dass der Arbeitnehmer erkennen musste, dass der Arbeitgeber dieses Verhalten nicht tolerieren wird – etwa bei Straftaten gegen den Arbeitgeber oder gravierenden Vertrauensbrüchen. Ist selbst nach einer Abmahnung offensichtlich nicht mit einer Verhaltensänderung zu rechnen, kann ebenfalls auf die Abmahnung verzichtet werden.

Gemäß § 626 Abs. 2 BGB muss die fristlose Kündigung binnen zwei Wochen erklärt werden, nachdem die zur Kündigung Berechtigten von den für die Kündigung maßgeblichen Tatsachen Kenntnis erhalten haben. Die Frist läuft erst an, wenn eine umfassende und verlässliche Sachverhaltskenntnis vorliegt – während einer angemessenen und zügig durchgeführten Aufklärung ist der Fristlauf gehemmt. Wird die Zwei-Wochen-Frist vom Arbeitgeber versäumt, ist die fristlose Kündigung unwirksam, selbst bei gravierendem Fehlverhalten.

Nach § 4 KSchG ist die Kündigungsschutzklage binnen drei Wochen nach Zugang der Kündigung beim Arbeitsgericht einzureichen. Diese Frist gilt gleichermaßen für fristlose Kündigungen und selbst dann, wenn das Kündigungsschutzgesetz ansonsten keine Anwendung findet (z. B. in Kleinbetrieben). Wird die Frist versäumt, gilt die Kündigung gemäß § 7 KSchG von Anfang an als wirksam – unabhängig davon, ob der Kündigungsgrund tatsächlich besteht. Deshalb ist umgehendes Handeln unerlässlich.

Ja. Nach § 623 BGB muss die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses zwingend in der Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift erfolgen. Eine Kündigung per E‑Mail, SMS, WhatsApp, Fax oder mündlich ist formunwirksam und damit nichtig. Auch eine eingescannt eingefügte oder digital eingefügte Unterschrift genügt nicht dem Schriftformerfordernis. Zudem muss die Kündigung von einer zur Kündigung befugten Person unterschrieben sein – fehlt die Vertretungsmacht, kann der Arbeitnehmer die Erklärung nach § 174 BGB unverzüglich zurückweisen.

Grundsätzlich ja – jedoch kann bei einer fristlosen Kündigung häufig eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen verhängt werden, wenn die Agentur für Arbeit davon ausgeht, dass Sie durch vertragswidriges Verhalten die Kündigung verursacht haben. In dieser Zeit wird kein Arbeitslosengeld gezahlt, zudem reduziert sich die Gesamtbezugsdauer. Durch eine Kündigungsschutzklage lässt sich die Sperrzeit oft vermeiden, insbesondere wenn die Kündigung in eine ordentliche Kündigung oder in einen Aufhebungsvertrag umgewandelt wird. Eine anwaltliche Beratung vor der Meldung bei der Agentur für Arbeit ist dringend zu empfehlen.

Bei einer fristlosen Kündigung besteht grundsätzlich kein gesetzlicher Anspruch auf eine Abfindung. In der Praxis werden Abfindungen jedoch häufig im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs vereinbart – üblicherweise zwischen 0,5 und 1,0 Bruttomonatsgehältern je Beschäftigungsjahr; bei hohen Erfolgsaussichten der Kündigungsschutzklage können sie auch darüber liegen. Zudem können Sozialpläne, Tarifverträge oder individuelle Absprachen zu Abfindungsansprüchen führen. Ohne Erhebung einer Kündigungsschutzklage geben Sie sich in der Regel alle Verhandlungsspielräume selbst auf.

Bei einer fristlosen Kündigung lohnt sich die Einschaltung eines Anwalts immer, idealerweise sofort nach Zugang der Kündigung. Die Drei-Wochen-Frist für die Kündigungsschutzklage ist strikt, rechtliche Fallstricke sind zahlreich, und Laien unterschätzen häufig, wie angreifbar fristlose Kündigungen in der Praxis sind. Ein erfahrener Anwalt für Arbeitsrecht prüft den wichtigen Grund, die Einhaltung der Zwei-Wochen-Frist, die Formalien sowie die Anhörung des Betriebsrats, klärt Risiken einer Sperrzeit und verhandelt gegebenenfalls eine Abfindung. Verfügen Sie über eine Rechtsschutzversicherung mit Arbeitsrechtsbaustein, übernimmt diese in der Regel – nach Ablauf etwaiger Wartezeiten – die Anwalts- und Gerichtskosten.